Psychosomatik – wenn Körper, Geist und Seele miteinander sprechen

von Jessica Bernhardt 08.02.2026

Das Zusammenspiel von Körper, Geist und Seele erleben wir alle täglich. Manchmal schlägt uns der Kummer sprichwörtlich auf den Magen, die Schultern schmerzen unter den Lasten des Lebens, das Knie meldet sich, wenn wir nicht weiterkommen, oder der Kopf pocht vor lauter Gedanken. Und manchmal ist da ein Tinnitus – ein Pfeifen oder Rauschen, das sich nicht einfach abschalten lässt.

Viele Patientinnen kommen in meine Praxis und berichten von genau solchen Beschwerden. Nicht selten folgt dann ein Satz wie: „Es wurde alles abgeklärt. Die Ärzte sagen, sie finden nichts. Es ist wohl die Psyche.“

Dieser Satz löst oft ambivalente Gefühle aus. Zum einen entsteht der Eindruck, die Beschwerden seien weniger „echt“ oder weniger wichtig. Zum anderen wirkt es, als sei das Thema damit erledigt. Doch genau hier liegt ein großes Missverständnis: Auch der Psyche muss geholfen werden. Psychosomatische Beschwerden sind weder eingebildet noch belanglos.

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Was bedeutet Psychosomatik eigentlich?

Der Begriff Psychosomatik wurde bereits 1818 durch den Arzt Johann Christian August Heinroth eingeführt. Er beschreibt die Wechselwirkung zwischen Körper und Seele. Nach dem medizinischen Standardwerk Pschyrembel versteht man darunter genau dieses Zusammenspiel – eine Definition, die heute auch im allgemeinen Sprachgebrauch angekommen ist.

In der modernen Medizin wird Psychosomatik noch weiter gefasst: Sie beschreibt die körperlichen, seelischen und sozialen Wechselwirkungen, die an der Entstehung und am Verlauf einer Krankheit beteiligt sind. Dabei ist wichtig zu verstehen: Nicht jede Erkrankung ist rein psychisch bedingt, aber keine Erkrankung ist völlig losgelöst von seelischen Einflüssen.

Der Anteil, den Körper, Seele und Umfeld am Krankheitsgeschehen haben, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Genau darin liegt sowohl die Herausforderung als auch das große Potenzial der psychosomatischen Betrachtungsweise.

Wenn Symptome bleiben, obwohl „nichts gefunden wird“

Psychosomatische Beschwerden treten häufig dann auf, wenn körperlich keine eindeutige Ursache gefunden werden kann oder wenn eine bestehende Erkrankung durch seelische Belastungen verstärkt wird. Das bedeutet nicht, dass „alles nur im Kopf“ stattfindet. Die Symptome sind real, spürbar und oft sehr belastend.

Der Körper nutzt Symptome manchmal als Sprache. Dort, wo Worte fehlen oder Gefühle keinen Raum bekommen, beginnt er zu sprechen – über Schmerzen, Spannungen, Erschöpfung oder funktionelle Störungen.

Mögliche Ursachen psychosomatischer Beschwerden

Warum reagiert der eine Mensch mit Rückenschmerzen, der andere mit Magenproblemen oder Hauterscheinungen? Dafür gibt es verschiedene Einflussfaktoren:

  • Genetische Disposition: Manche Menschen bringen eine höhere körperliche oder seelische Verletzbarkeit mit.
  • Individuelle Vulnerabilität: Jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Stress und Belastungen.
  • Persönlichkeitsstrukturen: Manche neigen dazu, seelische Konflikte eher körperlich auszudrücken.
  • Ort des geringsten Widerstands: Symptome zeigen sich oft dort, wo der Körper ohnehin empfindlicher ist.
  • Anhaltende Belastungssituationen: Besonders mehrere Belastungen gleichzeitig können zu Überforderung führen.

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Psychosomatik als Einladung zum Hinsehen

In den letzten Jahren sind zahlreiche Bücher erschienen, die sich mit der Frage beschäftigen, was psychisch hinter bestimmten Symptomen stecken könnte. Auch ich habe bereits mehrere Blogbeiträge (Endometriose, PMS, Allergien, Lichen scleroses, Blasenentzündung, Psoriasis) zu diesem Thema verfasst.

Solche Ansätze sind keine Schuldzuweisung und kein starres Erklärungsmodell. Sie können vielmehr eine Einladung sein, genauer hinzuschauen und sich selbst besser zu verstehen. Auch wenn man im ersten Moment denkt: „Das ist nicht mein Thema“, lohnt es sich oft, psychosomatische Aspekte nicht außer Acht zu lassen.

Fazit: Psyche ist kein Ausschluss, sondern ein Anfang

Wenn Beschwerden als psychosomatisch eingeordnet werden, bedeutet das nicht, dass sie weniger real sind. Es bedeutet, dass Körper, Seele und Lebensumstände gemeinsam betrachtet werden müssen.

Psychosomatik ist kein Abstellgleis, sondern ein Anfang. Ein Weg, Symptome nicht nur zu unterdrücken, sondern ihre Botschaft zu verstehen. Denn manchmal beginnt Heilung genau dort, wo wir aufhören, gegen den Körper zu kämpfen, und anfangen, ihm zuzuhören. Vereinbare gerne einen Termin und wir machen uns auf die Suche nach deiner psychosomatischen Ursache.

Psycho...? Was bitte?

Ein Blick lohnt sich.